Er
wird er erste Mensch sein, der den Gipfel des Everest vom Basislager
aus,
ohne Höhenlager, ohne künstlichen
Sauerstoff, ohne fremde Hilfe,
nach knapp 22 Stunden erreicht.
Ein absurder Eisregen im Sommer 1998 wird ihm und seinen zwei Gästen
am Grand Combin zum Verhängnis.
Die Lebensparabel eines der besten Alpinisten der Gegenwart verglüht
jäh am Himmel.
Reißt ein nicht zu schließendes Loch in die Familie. Und in die Alpingeschichte.
Im Herbst 2000 stirbt Hans Ertl.
In Bolivien.
Alt und vereinsamt.
Im Sommer 2001 bricht des Königs Schaumrolle ab.
Eis
und Geschichte zerbröseln in dunkler Nacht.
Symbolhaft. Wird des Erstbegehers Gedächtnis mit blauem Eis verhüllt.
Verändert sich die Zeit.
Verändert sich der Raum.
2004. Meine eigenen Steileisgeräte hängen seit Jahren
am Nagel.
Nicht endgültig.
Aber auf unbestimmte Zeit.
War alles ein vertikaler Traum?
Im Himmel über Sulden?
Des Logos` Flügelschlag?
Das Lächeln eines Gottes?
Über jugendliche Unbekümmertheit?
Wenn ich abends in der Stube sitze.
Wenn der letzte Sonnenrest an Ortlers Gipfel verglüht.
Wenn der Abendhimmel über Sulden wie das Gewölbe einer Kathedrale leuchtet.
Wenn meine kleinen Töchter mich belagern.
Wenn wir gemeinsam malen und balgen und Märchen lesen…
… dann frage ich mich, wieder und immer wieder, ob ich einst wirklich durch
Suldens Nordwände geklettert bin.
Mit dem Lächeln der Unsterblichen Jugend auf den Lippen.
In torhafter Gewissheit, schneller als jedes Unglück zu sein.
Dann schau` ich in die strahlenden Augen meiner Kinder.
Und dann weiß ich, dass unsere Bindung stärker ist, als der verlockendste
Ruf der schönsten Wand.
Und ich könnte den höchsten Gipfel der Erde mit keinem Kinderlächeln
tauschen.
Hans Perting, Mals 2004
(eigenhändige Zeichnungen von Hans Perting)