Mals – Am
unsinnigsten Abend des Jahres Lyrik vorzutragen, war ein kleines,
organisatorisches Versehen, aber es war deswegen – zur Überraschung
aller – noch kein Vergehen. Ob es nun Heimvorteil war für
die junge Philologiestudentin Kathrin Mayr oder ob es inzwischen
einen „Perting-Effekt“ gibt, kann nicht rekonstruiert
werden. Der kleine Saal der Malser Bibliothek war auf jeden Fall
gerammelt voll und Sibille Tschenett als Vorsitzende des Bildungsausschusses
war erstaunt und erfreut. Wann hat es das schon einmal gegeben,
Lyrik nur mehr im Stehen genießen zu können?! Die nicht
einmal 22 Jahre junge Kathrin Mayr aus Laatsch sah sich fast 70
Zuhörern – die -innen überwogen natürlich – gegenüber
und stellte ihre persönlichen „Gratwanderungen“ expressiv
und selbstbewusst dem Faschingstreiben gegenüber. Es war Gernot
Niederfriniger vorbehalten, als musikalischer Begleiter an Harfe
und Hackbrett die Zuhörer aus düsteren, „dunklen
Tiefen“ zu holen. Lucinha Cologna Polizeli, die Brasilianerin,
ist „den Bergen gefolgt“ und hat den Vinschgau über
die Val Müstair betreten. Verheiratet mit Luca Cologna lebt
sie in Prad. Sie wird am 9. März 2006 in der Malser Bibliothek
den Zuhörern einen lyrischen Blick in ihre „alma“ (Seele)
erlauben. (s)
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