Prof. Dr. Anton Pelinka
Universität Innsbruck
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Das Problem des Populismus sind
nicht die populistischen Politiker. Das Problem ist die Verführbarkeit der Wählerinnen
und Wähler, die sich von den einfachen Formeln mobilisieren lassen.
Das beste Rezept gegen den Populismus ist die Bereitschaft der Regierten,
den Populisten die Gefolgschaft zu verweigern.
Das Problem des Kitsches sind nicht die Verkäufer von Wallfahrtsreliquien
und anderer Kitschartikel. Das Problem sind die Käufer von Kitsch.
Das Angebot folgt der Nachfrage – wenn röhrende Hirschen
und blutende Herzen gefragt sind, werden sie in Gips oder Plastik produziert
und angeboten werden.
Das Problem ist letztlich die Erziehung, ist die
Sozialisation. Wenn Bewusstsein und Verhalten der Wählerinnen und Wähler sich ändern,
dann wird sich die Politik ändern – unter den Rahmenbedingungen
unserer unvollkommenen, fehlerhaften, aber doch existenten Demokratie.
Wenn diejenigen, die heute Kitsch kaufen, morgen an Kunst interessiert
sind, wird sich das Angebot darauf einstellen – denn wir haben
ja eine grundsätzlich funktionierende Marktwirtschaft, die auf
dem Eigeninteresse der Menschen baut.
Nur: Was machen dann diejenigen, die sich von der
Plebs absetzen müssen?
Was bewirkt dann das Bedürfnis, nicht zur Masse gerechnet zu werden?
Wir können davon ausgehen, dass dann etwas anderes zum Kitsch
erklärt wird; dass dann Kunst – das, was von den Definitionsmächtigen
als solche erklärt wird – neu ein- und Kitsch neu ausgegrenzt
wird. Kunst ist nicht Kitsch – daher wird es Kitsch geben, solange
es Kunst gibt.
Da sehen die Zukunftschancen dessen, was wir heute
als Merkmal des Populismus sehen, grundsätzlich anders aus: Demokratie ohne Aggressionen
gegen „die anderen“ ist vorstellbar, prinzipiell. Doch
real werden wir eine solche Demokratie, in der die Versuchung zum populistischen
Gestus verschwunden ist, ausgetrocknet mangels Nachfrage, leider nicht
erwarten können.
Anton Pelinka
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