Aber es geht um etwas ganz
anderes: "Des Purpurhutes" ist eine verstümmelte Formulierung aus der
Apothekersprache und zeigt jene mysteriöse Pflanze an, mit der fallweise
subkutan und unter der Kutte gemordet wird.
Der Roman spielt auf zwei Kontinenten und zwei Zeitebenen. Einmal
sind graphisch auffällig rote Blätter eingebunden, die eine Kulturgeschichte
Afrikas erzählen. Diese Geschichte lässt sich eigenständig als jene
Folie lesen, auf der sich die Missverständnisse und Eigentümlichkeiten
im Verhältnis von Europa und Afrika spiegeln. Im Sinne der mündlichen
afrikanischen Literatur ist dieser Text atemlos als Referat in Schlagzeilen
gehalten.
Im Kriminalteil hingegen geht es um ein verschwundenes Fresko, das
überall, wo es auftaucht, Verwirrung auslöst. Immerhin sind darauf
die letzten Dinge zu sehen, freilich verschlüsselt und verschlungenin
Zahlenmystik. Natürlich geht in einem Kloster alles, was man angreift
oder anschaut, auf das Mittelalter zurück. So sind auch die beiden
Kriminalbeamten, die den Fall des verschwundenen Freskos aufrollen,
ständig mit verwinkelten Schachzügen der Vergangenheit konfrontiert
- dabei verwenden sie für ihre Recherchen und Dispute das schnellste
Medium, das Internet.
Die Protagonisten rollen den Fall eher aus privater Suche nach Lebenssinn
als aus moralischen Gründen auf. Für die Einschätzung der Lage spielen
immer auch ihre Lebenserfahrungen in Afrika eine Rolle. Im Mail-Disput
entwickeln sie dabei eine eigene Strategie der Kriminalrecherche.
Hans Perting hat auf das
Verhikel des Kriminalromans allerhand Essays, Lageberichte und kulturgeschichtliche
Exkursionen gepackt. Für den Leser hat das den Vorteil, dass man
immer wieder zu einem Plot zurückgeführt wird, der auch so entlegene
Gebiete wie Zahlenmystik, Heilkunde oder Klosterbruderschaft halbwegs
logisch erschließt. Die Hauptbotschaft könnte lauten: Jeder von uns
ist in einem Krimi unterwegs, wenn er nur die Spurensuche zu sich
selbst aufnimmt. |