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Buchrezensionen: Des Purpurhutes |
Rezension zum Buch "Des Purpurhutes"
von:
Dr. Helmuth Schönauer
Germanist, Rezensent,
Autor, Universität Innsbruck
URL: www.schoenauer-literatur.com
EMAIL:
info@schoenauer-literatur.com
In unseren Gegenden führen Klöster meist ein beschauliches Dasein,
wenn darin nicht gerade Ministrantenschändungen oder Landesausstellungen
stattfinden. In der Literatur gelten Klöster als Hort von Bibliotheken
und spätestens seit Umberto Ecos Weltbestseller "Der Name der Rose" als
idealer Schauplatz für einen Krimi.
Hans Perting hat seinem Klosterkrimi einen aufregend-schrägen Titel verpasst
- "Des Purpurhutes". Da denkt man zuerst an das afrikanische Volk
der Hutus, an einen französischen Purpurträger oder einen formidablen
Grammatikfehler. Aber es geht um etwas ganz anders: "Des Purpurhutes" ist
eine verstümmelte Formulierung aus der Apothekersprache und zeigt jene
mysteriöse Pflanze an, mit der fallweise subkutan und unter der Kutte
gemordet wird.
Der Roman spielt auf zwei Kontinenten und zwei Zeitebenen. Einmal sind graphisch
auffällig rote Blätter eingebunden, die eine Kulturgeschichte Afrikas
erzählen. Diese Geschichte lässt sich eigenständig als jene
Folie lesen, auf der sich die Missverständnisse und Eigentümlichkeiten
im Verhältnis von Europa und Afrika spielen. Im Sinne der mündlichen
afrikanischen Literatur ist dieser Text atemlos als Referat in Schlagzeilen
gehalten.
Im Kriminalteil hingegen geht es um ein verschwundenes Fresko, das überall,
wo es auftaucht, Verwirrung auslöst. Immerhin sind darauf die letzten
Dinge zu sehen, freilich verschlüsselt und verschlungen in Zahlenmystik.
Natürlich geht in einem Kloster alles, was man angreift oder anschaut,
auf das Mittelalter zurück. So sind auch die beiden Kriminalbeamten, die
den Fall des verschwundenen Freskos aufrollen, ständig mit verwinkelten
Schachzügen der Vergangenheit konfrontiert, dabei verwenden sie für
ihre Recherchen und Dispute das schnellste Medium, das Internet.
Die Protagonisten rollen den Fall eher aus privater Suche nach Lebenssinn als
aus moralischen Gründen auf. Für die Einschätzung der Lage spielen
immer auch ihre Lebenserfahrungen in Afrika eine Rolle. Im Mail-Disput entwickeln
sie dabei eine eigene Strategie der Kriminalrecherche.
Hans Perting hat auf das Vehikel des Kriminalromans allerhand Essays, Lageberichte
und kulturgeschichtliche Exkursionen gepackt. Für den Leser hat das den
Vorteil, dass man immer wieder zu einem Plot zurückgeführt wird,
der auch so entlegene Gebiete wie Zahlenmystik, Heilkunde oder Klosterbruderschaft
halbwegs logisch erschließt. Die Hauptbotschaft könnte lauten: Jeder
von uns ist in einem Krimi unterwegs, wenn er nur die Spurensuche zu sich selbst
aufnimmt.
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